Scheidung leicht gemacht

von Rechtsanwalt Michael Blase

für das Stadtmagazin "Haller Willem" Nr. 296 07/2010


Seit der Reform des Familienrechts zum 01.09.2009 ist eine Scheidung für sich allein ohne weitere familienrechtliche „Nebenkriegschauplätze“ wie z.B. Unterhalt, Ehewohnung und Hausratsaufteilung möglich, sofern sich die Eheleute hierüber einig sind und dies bei Gericht erklären.

 

Einzig der Versorgungsausgleich – also der Rentenanwartschaftsausgleich – gehört noch zum sog. Zwangsverbund und wird von Amts wegen durchgeführt. Alle anderen Folgesachen fallen nicht mehr automatisch in den Scheidungsverbund, es sei denn, einer der Eheleute beantragt dies gesondert. Eine weitere Konsequenz der Reform besteht darin, dass sich der Antragsgegner bei einer einverständlichen Scheidung nicht mehr anwaltlich vertreten lassen muss. Die früher bei einer einverständlichen Scheidung erforderliche titulierte Einigung der Parteien über Scheidungsfolgesachen ist ebenfalls entbehrlich geworden, so dass im Zuge der Reform – zumindest bei einverständlich Scheidungswilligen – erheblich an Kosten gespart werden kann. Deren meist unvermeidbare Entstehung durch Einschaltung zweier Anwälte war früher zweifellos ein Hinderungsgrund für die Scheidung bei engeren finanziellen Verhältnissen, obwohl die Beteiligten schon lange getrennt lebten. Auch nach erfolgter Scheidung können die Beteiligten noch Folgesachen bei Gericht geltend machen, etwa wenn sich erhebliche Änderungen in den persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen ergeben haben, oder nachträglich Streit über einzelne Folgesachen entstehen sollte.

 

Fazit: Die Reform verleiht den Beteiligten mehr Autonomie bei der Gestaltung ihrer Scheidung. Gibt es keine Konfliktpunkte, so ist die einverständliche Scheidung heute für viele eine Möglichkeit, kostensparend zu sagen: „ Endlich geschieden“.