Bankhaftung bei Falschberatung

von Rechtsanwalt Dr. jur. Friedrich-Wilhelm Schwöbbermeyer

für das Stadtmagazin "Haller Willem" Nr. 297 09/2010


Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat viele Geldanleger unsanft aus Renditeträumen gerissen. Aus Traumrenditen wurden nicht selten Alptraumverluste. Oft hatten sich die Geldanleger ihrer Bank anvertraut und waren deren Anlageempfehlung gefolgt. Dieses Vertrauen wurde in vielen Fällen bitter enttäuscht. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert und strenge Beratungsrichtlinien verabschiedet.

 

Das Oberlandesgericht Stuttgart (Urteil vom 26.02.2010 - Az. 9 U 164/08) und das Landgericht Osnabrück (Urteil vom 23.04.2010 - Az. 15 O 48/09) sind den betroffenen Anlegern in zwei jüngeren Fällen zu Hilfe gekommen und haben ihnen wegen Falschberatung Schadensersatz in Millionenhöhe zugesprochen. Eine Bank kann sich danach nicht einfach darauf berufen, der Anleger trage das Verlustrisiko einer Geldanlage allein. Denn die Bank schuldet eine anleger- und anlagegerechte Beratung, d.h. die Empfehlung der Bank muss sowohl auf die Person des Kunden als auch auf das Anlageobjekt zugeschnitten sein. Die Bank muss gegebenenfalls durch Nachfragen klären, über welches Fachwissen der Kunde verfügt, welches Anlageziel er verfolgt und welches Risiko er eingehen will. Je geringer das Fachwissen und die Erfahrung des Anlegers bei Geldanlagen sind, umso ausführlicher muss die Beratung sein.

 

Die Anlageempfehlung der Bank muss ferner zu dem Anlageziel des Geldanlegers passen. Wenn eine sichere Geldanlage - beispielsweise als Alterssicherung - gewünscht wird, darf kein hochspekulatives Geschäft empfohlen werden, das der Anleger nicht durchschaut. Zudem muss die Bank dem Geldanleger alle Vorteile offenbaren, die sie durch die Vermittlung einer Geldanlage erhält, etwa Provisionen oder indirekte Rückvergütungen. Die Bank trägt die Beweislast, dass sie den Geldanleger entsprechend den gesetzlichen Beratungsrichtlinien aufgeklärt hat.