Jagdveranstalter haften für landwirtschaftlichen Schäden

Schadensersatzanspruch eines Landwirts gegen Jagdveranstalter

von Rechtsanwalt Dr. Fr.-W. Schwöbbermeyer

Der Bundesgerichtshof hat ein Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg bestätigt, nach dem die Veranstalter einer Treibjagd verpflichtet sind, einem Landwirt Schadenersatz für Schäden zu zahlen, die durch das Jagdgeschehen verursacht wurden. Hierzu informieren die Rechtsanwälte Dr. Friedrich-Wilhelm Schwöbbermeyer, Michael Blase und Nadine Rothfeld:

 

Die Beklagten, zwei Jäger, veranstalteten im Dezember 2009 in unmittelbarer Nähe des landwirtschaftlichen Anwesens des Klägers eine Treibjagd. Dabei lief ein von einem Jagdgast geführter Jagdhund auf die Weide des Landwirts und versetzte drei dort grasende Rinder in Panik. Die Tiere durchbrachen den Zaun und mußten von dem Landwirt wieder eingefangen werden. Dabei stürzte dieser und zog sich einen komplizierten Bruch der rechten Hand zu. Mit seiner Klage nahm der Landwirt die Veranstalter der Treibjagd auf Zahlung von Schmerzensgeld und Schadensersatz in Anspruch. Das Landgericht Osnabrück wies die Klage in I. Instanz ab. Es hielt die Veranstalter der Treibjagd nicht für verantwortlich.


Die Berufung des Landwirts vor dem Oberlandesgericht Oldenburg hatte Erfolg. Es gab der Klage dem Grunde nach statt. Zur Begründung führte es aus, die Veranstalter einer Treibjagd seien dafür verantwortlich, daß Dritte nicht durch jagdtypische Gefahren zu Schaden kämen. Sie hätten sich vor Beginn der Treibjagd darüber zu vergewissern, ob sich in dem zu durchjagenden Bereich Nutztiere befänden, welche durch Schüsse oder durchstöbernde Hunde gefährdet werden könnten. Zumindest seien sie verpflichtet, die betroffenen Landwirte von der Treibjagd zu unterrichten, damit diese Vorkehrungen zum Schutz der Tiere treffen könnten. Unterließen die Veranstalter solche Sicherungsmaßnahmen, hafteten sie auch für die Schäden, die durch das Einfangen flüchtender Nutztiere entstünden. Die von den Veranstaltern der Treibjagd dagegen erhobene Nichtzulassungsbeschwerde wies der Bundesgerichtshof zurück. Damit ist das Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg rechtskräftig.

 

OLG Oldenburg, Urteil vom 5. 12. 2013 - 14 U 80/13

BGH, Beschluß vom 18. 8. 2015 - VI ZR 4/14