Reparaturkosten bei Totalschaden

Keine Reparaturkosten über 130% des Wiederbeschaffungswertes

von Diplom–Jurist Christoph Kropp

Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 02.06.2015 erneut klargestellt, dass der Unfallgegner im Falle eines Totalschadens nicht zur Zahlung von Reparaturkosten verpflichtet ist, wenn diese 30 % des festgestellten Wiederbeschaffungswerts übersteigen. In diesem Fall gilt eine Reparatur als unwirtschaftlich; der Geschädigte erhält nur den Wiederbeschaffungswert ersetzt. Hierzu informieren die Rechtsanwälte Dr. Friedrich-Wilhelm Schwöbbermeyer, Michael Blase und Nadine Rothfeld:

 

Am 2.10.2012 ereignete sich im Ortenaukreis ein Verkehrsunfall, bei dem das Fahrzeug der Klägerin, ein Mercedes-Benz C 200 D, beschädigt wurde. Die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners regulierte auf Grundlage des Wiederbeschaffungswertes, da die voraussichtlichen Reparaturkosten laut Sachverständigengutachten 186 % des Wiederbeschaffungswertes betrugen. Um die Kosten unter 130% des Wiederbeschaffungswerts zu halten, ließ die Klägerin ihr Fahrzeug mit Gebrauchtteilen reparieren und verzichtete auf Ersatzteile, die in dem Gutachten aufgeführt wurden.

 

Der beklagte Haftpflichtversicherer zahlte lediglich den im Sachverständigengutachten ermittelten Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert des Fahrzeugs. Die tatsächlichen Reparaturkosten erstattete er nicht.

 

Der Bundesgerichtshof gab dem Haftpflichtversicherer Recht. Eine beabsichtigte Wiederherstellung eines Unfallfahrzeuges sei nicht teilbar in einen wirtschaftlich sinnvollen Teil und einen unwirtschaftlichen. Eine Unterschreitung der 130 %-Grenze könne zwar durch den Einbau von Gebrauchtteilen anstelle der im Gutachten aufgeführten Neuteile vorgenommen werden, allerdings nur dann, wenn die Reparatur ansonsten fachgerecht und nach den Vorgaben des Gutachtens erfolge. Würden Ersatzteile weggelassen, liege keine Reparatur nach den Vorgaben des Gutachtens vor, da die Berechnungsgrundlage des Gutachtens unterlaufen werde.

 

Bundesgerichtshof, Urteil vom 02. Juni 2015 – VI ZR 387/14